Pre Release Party
in den Hallen des Verlages

Begeistertes Publikum

Autor donnert auf Chopper in die Lesung

Noch haben die rund 120 Besucher der apokalyptischen Event-Lesung aus dem Roman „Weiber, Weichlinge, echte Männer“ nur eine blasse Vorahnung, was sie erwartet. Die Halle auf dem endzeitlich anmutenden Eurotec-Gelände ist bis auf den letzten Platz ausgebucht: Frauen und Männer aller Altersklassen, die sich rein äußerlich keiner bestimmten Schublade zuordnen lassen.
Henry Schädelbach, Autor des „härtesten Romans aller Zeiten“, lässt vor den Toren der Halle den mächtigen V2-Motor seiner 1500er Vulcan vorglühen, während hinter dem wuchtigen Eisentor seine Literaturopfer auf einen herrenlosen Schreibtisch blicken. Flankiert von einer frischen Flasche Jack Daniels grinst den Wartenden ein vergilbter Totenschädel entgegen.
Die Tore öffnen sich. Der Autor, der den gleichen Namen trägt wie der unglaubliche Hauptdarsteller seines Romans, donnert auf seinem Chopper am Publikum vorbei, hält auf den Schreibtisch zu, bringt den Eisenhaufen zum Stehen und spendiert einem Verdurstenden in der fünften Reihe einen Jack. Leben retten ist für diesen Mann Routine.
Dann geht es los. Henry Schädelbach konfrontiert die Zuschauer zum ersten Mal in ihrem Leben mit 100% Hardcore-Fiction. Auch für den Autor ein neuartiges Experiment. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Die geplant einstündige Lesung weitet sich spontan zu einer knapp zweieinhalbstündigen Reise durch die innere Wildnis skurriler Fantasien, fantastischer Welten und bizarrer Abgründe. Besonders Freunde der schrägen Satire kommen auf ihre Kosten, wenn der härteste Privatdetektiv aller Zeiten selbst unlösbare Probleme auf seine ganz spezielle Art aus dem Weg räumt.
Dabei ist der Autor authentisch genug, um jedes Mal, wenn sein Hauptdarsteller einen Hub Steroid-Bourbon zur Brust nimmt, sich ebenfalls einen guten Zug aus der Flasche zu gönnen. Mit den Rauchwaren hält er es ebenso. Die Bilanz: Eine halbe Flasche Jack Daniels und rund 15 Zigarillos finden ihren Weg ins Jenseits.
Was selbst der Autor nicht erwartet hatte: Nicht einer der Zuschauer nutzt die 20-minütige Pause zur Flucht, obwohl nach Absprache mit dem Verlag auf das Festketten der Besucher verzichtet wurde. „Wir sind doch keine Unmenschen“, kommentiert der Verleger und Produzent des Hardcore-Fiction Events dieses riskante Vorgehen.
Trotz des Verzichts auf Bondage-Session und sonstige Zwangsmaßnahmen endet der Abend mit einem begeisterten Publikum und einem rustikal verrauchten Henry Schädelbach. Die nicht benötigten Publikumsfesseln spendet der Crimson Verlag als großzügige Geste dem Pastor der ansässigen Kirchengemeinde.

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